Projektbeschreibung

Unser Projekt kurz zusammengefasst:


„Saja“ versteht sich als ein landwirtschaftliches Vorreiter*innenprojekt – und ist für uns eine
Lebensrealität, ein Zuhause und der Versuch, sich der Selbstversorgung zu widmen.
Seit 2011 leben, gestalten und kultivieren wir hier ein Stück Land – einen orangenhain im Süden Italiens, im Herzen Siziliens, am Fuße des Etna, im Tal des Simeto-Flusses in Paternò –auf einer Fläche von 1,6 ha nach den Prinzipien der Permakultur. Wir organisieren verschiedene Kurse und nehmen ganzjährig Freiwillige auf, versenden saisonal Blutorangen, Öl und viele weitere eigene Produkte nach ganz Italien.
Ohne jegliche staatliche Unterstützung oder Finanzierung ist das Saja-Projekt innerhalb weniger Jahre der Wiederherstellung und Neugestaltung aufgeblüht und erstrahlt in biologischer Vielfalt und Schönheit.
Saja ist mittlerweile zu einem großen Netzwerk von Freunden, Bekannten und
Sympathisanten angewachsen, die die Idee von Degrowth, Autarkie und gegenseitigem Wissensaustausch unterstützen.
Gemeinsam beobachten, diskutieren und teilen wir unsere Erfahrungen und suchen nach Lösungen. Wir verstehen uns jedoch weder als Ökodorf, noch
als ein Co-Housing-Projekt, weder als „normalern“ Bauernhof, noch als Campingplatz im Grünen.
Wir leben unsere einfache Spiritualität nach unseren moralischen Werten in der
Natürlichkeit des Seins, wünschen uns Vielfalt und Kreativität, sind offen für Menschen jeglicher Herkunft, Religion, sexueller Orientierung, unabhängig von Alter, Hautfarbe und Geschlecht.

Unsere Philosophie:


Wir wenden, angepasst an unsere lokalen Gegebenheiten, nachweislich Praktiken
nachhaltiger Landwirtschaft an, und können damit mittlerweile zeigen, dass es wirklich möglich ist, gesunder und zugleich sogar mehr zu produzieren als auf dem sogenannten traditionellen Weg.
Seit unserer Gründung haben sich hier viele Dinge geändert: Ursprünglich war unser Stück Land in Paternò eine Orangenplantage, wie es sie hier zuhauf gibt. Seitdem haben wir neben Kletterpflanzen und Büschen mehr als 800 Bäume und Sträucher gepflanzt und langsam ist eine Synergie mehrerer Elemente entstanden, bei der Menschen, Bäume und Kräuter, Wasser und Erde in Beziehung zueinanderstehen, um ganzheitliche Schönheit zu schaffen. –
Es ist ein sich stetig wandelndes Ökosystem, das sich jeden Tag mehr von der Monokultur entfernt und sich zu einem dichten Wald entwickelt – voll mit Früchten, Gemüse, Pilzen und voller Leben.
Indem wir alte Sorten von Pflanzen mit exotischeren Arten kombinieren,
Wasserlandschaften, Bäche und Teiche schaffen, einer größeren Anzahl von Tieren und Wildpflanzen einen Lebensraum bieten, können wir gesündere Pflanzen generieren, ohne auf chemische Pflanzenschutzmittel zurückgreifen zu müssen.
Wir arbeiten daran, die Präsenz von Weiden und Pappeln in unserem Projekt zu erhöhen, um den benachbarten, verarmten Flusslebensraum, der nur noch auf Tamarisken- und Eukalyptusbäume beschränkt ist, durch Pollen zu „kontaminieren“, sowie eine konstante Beständigkeit bei der Gewinnung von kompostierbarer Biomasse zu gewährleisten, was zu einer nachweislichen Verbesserung der Qualität des von uns geschützten Bodens und der Artenvielfalt führt.
Unsere Prozesse finden im Einklang mit den Grundsätzen der Permakultur statt, die wir uns als Referenzhorizont gewählt haben. Dies bedeutet zum einen die geringstmögliche Verwendung externer Inputs und zum anderen eine sorgfältigere Berücksichtigung der einzelnen Pflanzen.
In der „Finca Palta“ , einem Zitronenhain von ca. 2,5 ha auf der Ostseite des Etna, den wir im Jahr 2016 dazu gekauft haben, um dort nachhaltig Avocados und Zitronen, sowie einige tropische Früchte anbauen zu können, haben wir seit dem ca. 300 Bäume und Sträucher gepflanzt.
Durch die unterschiedlichen Standorte, klimatischen Bedingungen und lokalen
Gegebenheiten sind wir als Projekt widerstandsfähiger, da unsere Produktion nicht mehr nur von einer Ernte abhängt, die je nach Saison und den lokalen Gegebenheiten sehr stark variieren kann.
Weder im Zitronenhain von Nunziata noch im Agroforst/Food Forest (gemischter Obstgarten für den Eigenbedarf) von Paternò wird die Erde maschinell oder manuell bewegt, um das empfindliche mikrobiologische System des Bodens nicht zu beeinträchtigen.
Die jungen Bäume sind unsere Hoffnung und unsere Investition in unser Projekt, in uns selbst und in die Zukunft derer, die nach uns kommen werden. 

Partner:

Wir haben in den letzten zehn Jahren ein gutes Netzwerk aufgebaut und arbeiten mit lokalen Bio-Erzeugern zusammen. Diese leben meist ausschließlich vom Verkauf der Produkte, die ihr Stück Land hergibt. Vielerorts gibt es hier keinen Zugang zu Wasser, daher ist die Vielfalt und die Menge der Dinge, die gut wachsen, oft zu gering um damit auf dem freien Markt zu bestehen.
Durch die Kooperation mit unserem Netzwerk, können sie ihre Produkte direkt
verkaufen, ohne den Weg über Märkte gehen zu müssen:
Giuseppe lebt daher z.B. vom Anbau verschiedener Hülsenfrüchte und Getreide.
Er hat von seinem Großvater ein Stück Land in Ramacca von ca. 10 ha geerbt, wo er nach organischen Prinzipien im Wechsel verschiedene Getreide wie Gerste und Dinkel und Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen, Bohnen und Erbsen anbaut.
Außerdem sind die getrockneten Tomaten das einzige Gemüse, was er anbauen kann, da es eine Tomatensorte ist, die ohne Wasser auskommt, da sie die Luftfeuchtigkeit absorbieren kann. Sie nennt sich „Pomodoro siccagno.“ Sie sind etwas härter und weniger saftig als gewöhnliche Tomaten und eignen sich daher besonders zum Trocknen.
Familie Bonomo, ein Familienbetrieb, in dem Vater, Tochter und Sohn gemeinsam arbeiten, hat ein Stück Land in den Bergen von Centuripe, auf dem ausschließlich Mandeln gedeihen.
Die Pekannüsse kommen von einem Stück Land am Meer. Sie tragen in der Regel aller zwei Jahre Früchte. Für die Ernte der Pekannüsse war der Wind im letzten Jahr ein Segen und es konnten sehr viele geerntet werden. Der Besitzer Andrea gestaltet gerade seine Produktion um. Seine Zitronen-Plantage stirbt, da es keinen Nutzwasser-Zugang mehr gibt, da alle lokalen Bewässerungssysteme alle zu verschmutzt sind. Die Pekannüsse brauchen keine Bewässerung und sind daher für ihn ein wichtiger Bestandteil seines Einkommens.
Der Imker, von dem wir den Honig haben, Herr Privitera, ist ein Freund von Salvos Familie. Er bringt die Bienen, je nach Saison an verschiedene Orte, um verschiedene Honigsorten zu produzieren.
Sobald die Orangenbäume blühen, bringt er die Bienen zu uns, wo sie mehrere Monate bleiben.
Die Oliven kommen von der anderen Seite des Flusses. Dort befindet sich ein Projekt, wo von Carmelo Bio-Oliven angebaut werden. Von ihm bekommen wir außerdem die Mandeln mit Schale. Auch auf seinem Landstück gibt es, trotz der Nähe des Flusses, keine Nutzwasserversorgung.
Dennoch schaffen sie es trotzdem Oliven, Olivenöl und Mandeln zu produzieren.
Die Kapern wachsen wild und werden im Sommer von einem alten Mann, Signor Buà, gesammelt, verarbeitet und über unser Netzwerk verkauft.

 

„Ich war begierig auf ein besseres Leben und entschloss mich, es zu leben.“
(Salvatore Giaccone)
Salvo Giaccone:
Der gebürtige Sizilianer hat lange im Veneto in Norditalien gelebt und Rumänisch und
Arabisch studiert, reiste viel und erkundete Osteuropa und den Mittleren Osten. Nach
jahrelanger Arbeit bei verschiedenen NGOs und freiwilligen Vereinigungen in Italien und im Ausland, entschied er sich 2011 in Sizilien zu bleiben, um ein Permakultur-Projekt zu starten, das von anderen jungen Menschen unterstützt wird, die sich wie er entschlossen haben, ihre Energie in die Natur – und mit der Natur zu investieren.
Als Lehrer der Akademie für Permakultur ist er auf einem aktiven Weg des stetigen
Studierens, lebt leidenschaftlich die Landwirtschaft und ist aufmerksamer Beobachter.
Er organisiert Treffen und Kurse zum Erlernen natürlicher Anbautechniken, im respektvollen Miteinander von Land und Menschen, die dort leben.